Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.
54492 Zeltingen-Rachtig
 



 

Unsere neue Orgel (Weimbs 2005)

 

I. Manual, Rückpositiv                    II. Manual, Hauptwerk                    Pedal

Hollpfeif                             8‘                            Bourdon                             16‘                         Subbaß                16‘

Flaut travers Discant     8‘                            Principal                               8‘                          Octavbaß              8‘

Praestant                           4‘                            Viola di Gamba                  8‘                          Gedacktbaß         8‘

Flaut                                     4‘                            Hollpfeif                              8‘                          Bombart              16‘

Octav                                    2‘                            Octav                                    4‘                          Trompet                8‘

Quint                                   1 ½‘                       Flaut                                       4‘

Tintinabulum   Disc.      2f                           Quint                                     3‘

Mixtur                                 3f                           Octav                                     2‘

Cromhorn                          8‘                            Terz                                       1 3/5‘

Tremolant                                                         Cornett  Disc.                     3f

                                                                              Mixtur                                   4f

                                                                              Trompet                                8‘

                                                                              Claron Bass        C-h°         4‘

 

600 Pfeifen                                         904 Pfeifen                                         150 Pfeifen

 

Nebenregister:

Nachtigall

Zimbelstern und Kuckuck (4 Pfeifen, zwei aufeinander folgende Rufe: d – h; a – fis) 2007 eingebaut.

 

Die Marienkirche im Ortsteil Rachtig wurde in den Jahren 1723-25 vom aus Rachtig stammenden Deutschordenspriester Johann Peter Glesius erbaut. Nachdem er in den folgenden Jahren einen großen Teil der Innenausstattung finanziert hatte, ließ er 1739 für 750 Taler ebenfalls aus eigener Tasche eine Orgel und für 32 Taler das „Toxal“ (Empore) errichten. Von wem diese Orgel stammte, ist nicht festgehalten. Der weitere Werdegang des Instrumentes ist ebenfalls ungewiss, lediglich aus dem Jahre 1857 wird ein Reparaturvertrag mit dem Graacher Orgelbauer Joseph Claus erwähnt, nachdem durch Blitzschlag der Helm des Kirchturmes abgebrannt war und die Orgel bei den Lösch- und Aufräumarbeiten Schäden erlitten hatte.

 

1906-08 wurde das Kirchenschiff erneuert; der Westturm blieb stehen, der größte Teil der Innenausstattung wurde übernommen. Nachdem das Innere der Orgel durch Heinrich Voltmann für 21 Mark entfernt worden war, baute Nikolaus Franzen aus Trier hinter den verbliebenen alten Prospekt ein pneumatisches Werk mit 17 Registern auf 2 Manualen und Pedal. Verträge o. ä. sind auch hier seltsamerweise nicht erhalten.

 

Nach dem Orgelmeldebogen von 1944 hatte das Instrument folgende Disposition:

 

I. Hauptwerk (C – f³, Lade bis c4)             II. Nebenwerk (wie HW)                            Pedal (C – d‘)

Bordun                16‘                                         Geigenprincipal              8‘                            Violonbass        16‘

Principal               8‘                                         Lieblich Gedackt             8‘                            Salicetbass         16‘

Flöte                       8‘                                         Salicional                           8‘                            Subbass               16‘

Gamba                   8‘                                         Aeoline                               8‘

Trompete             8‘                                         Traversflöte                      4‘

Octav                      4‘

Rohrflöte              4‘

Quinte                 2 2/3‘

Octav                      2‘

 

Koppeln:

I – P, II – P, Oktavkoppel im Pedal

II – I, Superoktav II – I, Superoctav in I, Melodiekoppel

 

Freie Kombination, 2 Auslöser
Feste Kombinationen für Piano, Mezzoforte, Forte und Tutti (ohne Trompete).
Die Register Geigenprincipal 8', Aeoline 8' (II) und Salicetbass 16' (Pedal) wurden 1959 ersetzt bzw. umgearbeitet zu Principal 2‘, Nasat 1 1/3‘ und Octavbass 8‘

 

Der 2. Weltkrieg und die Orgelbauideologien des 20. Jahrhunderts („Dispositionsaufhellung“) hinterließen ihre Spuren, der Zahn der Zeit nagte an Ledermembranen und Bleirohren, und die Folgen der falsch dimensionierten Windversorgung der Diskantladen nervte Organisten wie Zuhörer. Nachforschungen ergaben zudem, dass das Vorgängerwerk, von dem immerhin noch das Gehäuse sowie die zwei Prospektregister Principal 8’ und Praestant 4’ erhalten waren, mit großer Wahrscheinlichkeit von dem Münstereifeler Orgelbauer Balthasar König stammte. Gehäusekonstruktion und Pfeifengravuren geben heute noch Zeugnis davon. So entschlossen sich Orgelförderverein und Verwaltungsrat, die Orgel unter Beibehaltung der historischen Teile im Sinne der Traditionen der Orgelbauerfamilie König zu erneuern. Den Auftrag dazu erhielt die Firma Weimbs aus Hellenthal / Eifel, die über umfangreiche Erfahrung mit einer Reihe von König-Orgeln verfügt.

 

Am 9.11.2003 wurde die alte Orgel mit einem Wortgottesdienst verabschiedet und an den folgenden Tagen demontiert, die Pfeifen übernahm der polnische Orgelbauer Jan Drozdowidcz aus Posen.

 

Das Gehäuse wurde restauriert und nach hinten erweitert, die historischen Prospektpfeifen (ca. 84% Sn) konnten alle repariert werden, trotz großer Splitterlöcher aus dem Krieg. Alle Innenpfeifen sind nach König’schen Mensuren gefertigt aus 70% Sn. Nur der Subbaß, der nach hinten spricht und quasi einen rückwärtigen Prospekt bildet, ist aus Holz; 3 Seiten Fichte und die Front aus Eiche. Hinter dem Hauptwerk liegt die Windanlage mit klassischen Keilbälgen, darüber das Pedalwerk. Der Winddruck beträgt für die Manualwerke 68 mm WS, für das Pedal 85 mm WS. In umfangreichen Versuchen auf der Intonierlade in der Hellenthaler Werkstatt wurde für die Stimmung eine Temperatur nach Neidhart (1732 „für ein Dorf“) festgelegt. Vor allem die Terzlagen von C-Dur und G-Dur ergeben glasklare Klänge; As-Dur ist die am wenigsten verträgliche Tonart. Die deutliche Tonartencharakteristik und die Art der Intonation durch OBM Friedbert Weimbs präferieren natürlich die Aufführung klassischer, besonders der französischen Orgelliteratur, aber auch die Romantiker haben durchaus ihren Reiz.

 

Im Zuge des Orgelbaues wurden weitere Erhaltungsmaßnahmen notwendig: Die Empore mußte statisch gesichert und erweitert werden; das umfangreiche Schnitz- und Schleierwerk, das teilweise stark zerstört war, wurde durch die Restauratorin Stefanie Neumann gesichert, ergänzt, gefasst und neu vergoldet; die drei Figuren auf der Orgel (König David mit Harfe und zwei Posaunenengel) wurden durch Thomas Lutgen restauriert; weitere Schnitzarbeiten (Emporenbrüstung, Davidskrone) lieferte der ehemalige Rachtiger Organist Franz Rudolf Kön.

 

Am Sonntag „Laetare“, dem 6. März 2005 wurde das neue Werk in einem feierlichen Gottesdienst durch Domkapitular Hans Wilhelm Ehlen geweiht. Mit Bachs D-Dur und Guilmants 1. Sonate im Gottesdienst sowie Werken von Torner, Bach, Mendelssohn, Brahms und Schroeder im Weihekonzert von Josef Still stellte die Orgel ihre vielfältige Verwendbarkeit unter Beweis.

 

Orgelsachverständige mehrerer Bistümer und auch von der evangelischen Landeskirche zeigten sich begeistert von dem Instrument, so wurde eine Gesamteinspielung der 8 Orgelkonzerte von Franz Xaver Brixi (1732-1771) mit Christian Schmitt an der Orgel und Orchestermitgliedern des Saarländischen Rundfunks produziert.

Besonders stolz ist der 1995 gegründete Orgelförderverein darauf, dass die Orgel allein durch vielfältige Veranstaltungen und die dabei erzielten Spenden bezahlt werden konnte. Weder das Bistum noch die Pfarrei gaben einen Cent dazu.

 

Josef Thiesen (email: Thiesen-Orgel.Wein@t-online.de)


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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig
eMail an: HHStein@web.de
Datum der letzten Überarbeitung: 21.03.2013