Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.

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Samstag/Sonntag, 2./3. April 2005

Mit Hammer und Dorn

Neue Orgel in Zeltingen-Rachtig

Vor zehn Jahren beschloss man in der Pfarrgemeinde St. Marien in Zeltingen-Rachtig, in das historische Orgelgehäuse aus dem Jahre 1739 ein neues Instrument einbauen zu lassen. Am Sonntag Laetare wurde das neue Instrument seiner Bestimmung übergeben.

"Laetare" - im Laufe des Kirchenjahres wird damit der vierte Sonntag der Fastenzeit benannt.

Foto: Gerhard W. Kluth

Laetare heißt auf Deutsch "freue dich" und soll den Christen in Erinnerung rufen, dass die Hälfte der österlichen Bußzeit schon vorüber und das Osterfest nahe ist. Für die Pfarrgemeinde St. Marien in Zeltingen-Rachtig barg der diesjährige Laetaresonntag einen zusätzlichen Grund zur Freude, ging doch eine lange dauernde musikalische Fastenzeit zu Ende. Nahezu zehn Jahre hatte die Pfarrei zusammen mit Fachleuten und mit dem Orgelförderverein geplant, überlegt, besichtigt und vor allem kleine und große Summen zusammen getragen. Bis kurz vor dem Festtag wurde in der Pfarrkirche an der Mittelmosel noch fleißig gearbeitet. Orgelbaumeister Friedbert Weimbs war mit der Intonation, der langwierigsten und wichtigsten Schlussarbeit bei einem Orgelneubau beschäftigt.

Pfeife für Pfeife wird angepasst

Pfeife für Pfeife wird dabei in die Hand genommen, ihr Klangbild und ihre Lautstärke bestimmt, bis innerhalb eines Registers, das sich aus 56 Tönen zusammen setzt, eine harmonische Linie entsteht. Gleich einem Chirurg rückte Weimbs den Pfeifen dabei mit scharfen Messern zu Leibe, mit kleinem Hammer, Dorn und einer gehörigen Portion Fingerspitzengefühl. Vielfältig sind die Parameter, die der Orgelbauer bei dieser Arbeit beachten muss. "Zwar werden die wesentlichen Klangmerkmale aller Register schon bei der Planung des Instrumentes festgelegt. Letztendlich aber ergibt sich erst in der Kirche selbst, im Zusammenwirken mit dem Raum und seiner Akustik, wie die einzelnen Stimmen solistisch als auch im Gesamtklang wirken," sagt Weimbs. In Rachtig kommt noch eine besondere Komponente hinzu.

Liebevoll gestaltete Details zeichnen die Orgel aus.
Foto: Gerhard W. Kluth

Das Gehäuse der dortigen Orgel ist aus dem Jahr 1739 und stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Werkstatt von Balthasar König, der 1711 seine erste Werkstatt in Bad Münstereifel gründete. Später verlegte er seinen Firmensitz in die Rheinmetropole Köln.

Über 80 Jahre stand die Werkstatt von König, später durch seine Söhne weiter geführt, für qualitativ hochwertigen Orgelbau im Rheinland, der Eifel und in den benachbarten Niederlanden. Seine Instrumente sind die Zeugen dafür, was man zu Zeiten Johann Sebastian Bachs im Westen unter Orgelbau verstand. Für Weimbs ging damit sein Auftrag über den normalen Rahmen hinaus. Weimbs: "Die Instrumente des 18. Jahrhunderts klangen anders als die Orgeln, die wir heute bauen. Sie hatten eine eigene Tonsprache, einen eigenen Charakter. Dieses Wesen soll auch hier in Rachtig wieder zum Tragen kommen. Ein alter Orgelbauergrundsatz sagt aus, dass der Prospekt einer Orgel etwas über den zu erwartenden Klang aussagen soll. Also kann ich hier, wo wir es mit einem barocken Gehäuse zu tun haben, keine Orgel mit modernem Klang einbauen. Ich muss mich in die Welt von König hinein denken. Das Äußere und das Innere dieser Orgel müssen übereinstimmen. Sonst ist sie nicht glaubwürdig."

Dass Weimbs sich in der Gedankenwelt seines berühmten Vorgängers auskennt, hat er schon unter Beweis gestellt. Die beiden, wohl berühmtesten Instrumente Königs, in der Schlosskirche in Schleiden und in der Klosterkirche in Steinfeld, sind von ihm restauriert worden. Beide Arbeiten gelten in der Fachwelt als mustergültig. Was man jetzt in Rachtig hören kann, überzeugt auf der ganzen Linie: ein kraftvolles, selbstbewusstes Instrument.

Foto: Gerhard W. Kluth

Kernig und substanzreich erfüllen die Prinzipale und Zungenstimmen das Kirchenschiff, grundtönig und warm umspielen die Flöten das Ohr des Zuhörers.

Diese Orgel, auf deren Mittelturm der König David mit seiner Harfe wacht, wird ein Anziehungspunkt für alle Musikfreunde werden. Viele Menschen machen sich Jahr für Jahr auf, nur um Orgeln zu besichtigen.

Dieser so genannte Orgeltourismus, der von Fremdenverkehrsämtern und professionellen Reiseanbietern noch viel zu wenig beachtet wird, ist immer auf der Suche nach Zielen, an denen das Interessante mit dem Angenehmen verbunden werden kann. In Rachtig sind die Voraussetzungen optimal. Edle Weine, eine schöne Landschaft und, gewissermaßen als Krönung, ein Kleinod an Orgel. Was will man mehr? Auch Hermann Lewen, Intendant der Mosel Festwochen steht schon in den Startlöchern. Nach dem viel beachteten Konzert am Weihesonntag durch den Trierer Domorganisten Josef Still meinte er spontan: "endlich eine Orgel an der Mittelmosel, auf der man adäquat Barockmusik spielen kann. Jetzt kann man die großen Organisten auch einmal hierhin einladen."

Weitere Infos und Konzerttermine unter www.orgelrachtig.de

Gerhard W. Kluth

© Copyright 2005 Trierischer Volksfreund

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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig
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Datum der letzten Überarbeitung: 07.04.2005