Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.

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Bernkastel - Kues

Dienstag, 8. März 2005

Musikalischer Edelstein

Zeltingen-Rachtig. Viel ist in den vergangenen Wochen und Monaten über die neue Orgel in der Pfarrkirche St. Marien in Zeltingen-Rachtig geschrieben worden. Mit der Einweihung und dem ersten Konzert konnte das Instrument unter Beweis stellen, dass die Erwartungen, die daran geknüpft waren, nicht zu hoch gesteckt wurden.
Von unserem Mitarbeiter
Gerhard W. Kluth

Beim ersten Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Marien in Zeltingen-Rachtig ist größte Vorsicht angesagt, um nicht von einem Superlativ in den nächsten zu verfallen. Zehn Jahre haben die Rachtiger, allen voran der Orgelförderverein, gearbeitet, gesammelt, gehofft und auch viel gebetet, damit der Tag der Orgelweihe Wirklichkeit wurde.

Was sie erreicht haben, ist nicht nur ein wertvoller Baustein für die Pfarrei, sondern eine kulturelle Bereicherung für die ganze Region. Beim ersten Orgelkonzert, gestaltet vom Trierer Domorganisten Josef Still, konnte man am Ende nur noch sagen: durch und durch überzeugend, was die Hellenthaler Orgelbaufirma Weimbs hier abgeliefert hat.

Das Gehäuse entstammt dem Jahre 1739

Um einen Fehler zu korrigieren, der am großen Orgeltag in Rachtig immer wieder gemacht und ausgesprochen wurde: die Rachtiger

War der erste, der die neue Orgel bedienen durfte: der Trierer Domorganist Josef Still.Foto: Gerhard W. Kluth

Orgel ist nicht restauriert worden. Lediglich das Gehäuse entstammt dem Jahre 1739. Das Innenleben, also das, worauf es klanglich wie technisch bei einer Orgel ankommt, ist neu. Die Orgelbauer haben sich dabei wohl an die Vorgabe gehalten, dem Charakter einer Balthasar König Orgel, wie er vom Gehäuse her erwartet werden kann, nahe zu kommen. Das bedeutet, es galt ein Instrument zu bauen, das bodenständig, kernig und selbstbewusst in Erscheinung tritt. Vielseitig sollte es sein, aber seine Herkunft, seinen Ursprung nicht verleugnen. Das ist den Handwerkern, die auch Künstler sind, in vollem Umfang gelungen.

Still stellte sich bei seinem Konzert ganz in den Dienst der Orgel, hatte sein Programm so angelegt, dass er viele Facetten ihrer Möglichkeiten präsentieren konnte. Da erklang etwa die dritte Sonate in A-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy, deren dominantes Hauptthema der Choral "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" bildet. Angst und Verzweiflung des Rufenden wurden deutlich hörbar aber auch die Gewissheit, dass der Ruf erhört werden wird. Letztendlich überwog der Trost des Glaubens über der Bedrängnis des Lebens.

Nicht in ein stilistisches Korsett zwängen

Zeigte Still hier schon, dass die neue Orgel nicht in ein stilistisches Korsett zu zwängen ist, auf dem man nur Barockmusik spielen kann, wurde dies noch viel deutlicher mit Hermann Schroeders "Variationen über den tonus peregrinus".

Diese Veränderungen des alten Pilgerpsalms 113 "In exitu Israel de Aegypto" aus dem Jahre 1975 zeigte die große Farbenvielfalt, mit der das neue Instrument aufwarten kann.

Liebliche Flöten im Kontrast zu herrisch-dominierenden Zungenstimmen, die sich aber trotzdem in das Gesamtkonzept schlüssig einfügen, singende Prinzipale und immer wieder eine herrlich streichende Viola di Gamba machten das Zuhören zu einem Genuss.

Nicht wenige vertreten die Ansicht, dass speziell die Orgelmusik in Johann Sebastian Bach ihre Vollendung findet. Seine Kompositionen durften natürlich nicht fehlen.

Also ließ Still als Finale mit Praeludium und Fuge a-Moll, BWV 543, die Sonne in der Rachtiger Pfarrkirche aufgehen. Insbesondere in der Fuge ließ Still das Plenum der Orgel erstrahlen, tauchten die glänzenden Mixturen die Kirche in ein farbenprächtiges Licht. Es ist müßig, zu erwähnen, dass die Zuhörer nicht nur eine exzellente Orgel sondern auch einen technisch wie musikalisch ausgezeichneten Interpreten erleben konnten. Sicherlich wird das neue Instrument in der nächsten Zeit auch an seine Grenzen geführt werden.

Die Universalorgel, auf der man alles spielen kann, gibt es nicht und sie soll es auch gar nicht sein. Fest steht aber, dass nicht nur Rachtig, sondern die ganze Region hier einen musikalischen Edelstein erhalten hat, dessen Glanz lange erstrahlen und die Aufmerksamkeit vieler Musikfreunde auf sich ziehen wird.

© Copyright 2005 Trierischer Volksfreund

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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig
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Datum der letzten Überarbeitung: 28.01.2005