Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.

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Bernkastel-Kues

Mittwoch, 11. September 2002

Klangerlebnisse in St. Marien

Königliche Instrumente beschließen den Tag des offenen Denkmals in Rachtig

Von unserem Mitarbeiter GERHARD W. KLUTH

ZELTINGEN-RACHTIG. Eine Orgel und eine Harfe standen im Mittelpunkt des Konzertes in der Rachtiger Pfarrkirche, das viel Beachtung und Begeisterung fand.

Trotz zahlreicher konkurrierender Angebote von Weinfesten bis Fernsehduell fand sich eine große Zahl von Zuhörern in der Rachtiger Pfarrkirche ein. Als Abschluss des Tages des offenen Denkmals hatten die Mosel Festwochen in

Sie begeistert und erstaunt das Publikum mit ihrem Spiel auf der Harfe. Silke Aichhorn konzertiert in der Rachtiger Pfarrkirche St. Marien.
Foto: Gerhard W. Kluth

Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde und dem Orgelförderverein St. Marien einen musikalischen Abend angesetzt, wie man ihn nur selten geboten bekommt. Die Überschrift des Abends lautete "Harfenklang und Pfeifentöne" und so standen im Chorraum mit einer Orgel und einer Harfe zwei Instrumente mit adligen Attributen im Mittelpunkt. Während die Orgel häufig als Königin der Instrumente bezeichnet wird, ist die Harfe spätestens seit dem alttestamentlichen David das Instrument der Könige. Auch der römische Kaiser Nero, der aus christlicher Sicht nicht gerade den besten Ruf hat, soll ein großer Sänger gewesen sein, der seine Vorträge von der Orgel oder vom Harfenklang begleiten ließ.

 

An den Anfang des Konzertes hatte das Kammerorchester "Camerata Cusana" das vierte Orgelkonzert in d-moll aus Opus sieben von Georg Friedrich Händel gesetzt. Für den Solopart war der Bernkasteler Oganist Josef Thiesen zuständig.

Das Werk zog einen reichen Spannungsbogen in seiner Ausdrucksform, begann dunkel und fast dramatisch und schwang sich immer höher in lichte, verspielte Höhen. Thiesen gestaltete seine Partien sehr abwechslungsreich und nutzte die klanglichen Möglichkeiten der Orgel, um das letztendlich doch heitere Gesicht der Komposition noch farbenreicher zu gestalten.

Es folgte vom selben Komponisten das Concerto grosso Opus 6 Nr. 12 in h- moll. Wie schon beim Orgelkonzert konnte das Orchester unter Feder- oder besser Bogenführung der Konzertmeisterin Lisa Henn zeigen, wie sehr es die barocke Tonsprache verinnerlicht hat. Leuchtende Farben und spannungsreiche Wechsel zwischen dem Gesamtklang und dem Concertino bestimmten das Geschehen. Manchmal hätte man sich jedoch gewünscht, dass das Spiel noch freier und ungezwungener gewesen wäre. Hier schien die Camerata der technischen Sicherheit den Vorzug zu geben.

Mit Silke Aichhorn hatten die Mosel Festwochen eine junge Harfenistin verpflichtet, die sich mit ihrer Kunst schon auf verschiedenen Kontinenten einen wohlklingenden Namen erspielt hat.

Die Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe hatte für ihren Auftritt in Rachtig ein sinfonisches Konzert für Harfe und Streicher von Johann Christian Bach und das Concertino Opus 34 für Harfe und Streicher von Elias Parish-Alvars ausgewählt. Für manche der Zuhörer war die Tatsache an sich, eine Harfe als Soloinstrument zu hören, sicherlich schon ein Erlebnis. Das überdimensionale Zupfinstrument wird häufig in Zusammenhang gebracht mit sphärisch-verklärter Musik, die zur Meditation geeignet ist. Wer das erwartete, war in Rachtig am falschen Ort. Aichhorn eröffnete ihrem Publikum ein Klangerlebnis, das wohl nur von den wenigsten erwartet wurde. Insbesondere in Parish-Alvars' Concertino überraschte sie immer wieder mit neuen Klangfacetten, die nur staunen ließen.

Kombiniert war diese große musikalische Ausdruckskraft mit einer exzellenten und überaus virtuosen Technik. Bei aller berechtigten Begeisterung für die Solistin darf man aber gerade für das Finalwerk das Orchester nicht vergessen. Unter Leitung von Wolfgang Lichter, der vom Cembalo an das Dirigentenpult gewechselt hatte, gestalteten die Streicher ihren Part absolut überzeugend. Die Klangsprache des Komponisten schien wie für das Ensemble geschaffen zu sein. Sicherlich tat die Akustik der Marienkirche ihres dazu, um einen solch angenehmen Wohlklang zu erzeugen. Sie kann aber nur das unterstützen, was die Klangquelle hergibt. Der langanhaltende Applaus zeigte, dass die Zuhörer es nicht bereut hatten, auf Feste und Fernsehduell verzichtet zu haben.

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Datum der letzten Überarbeitung: 11.09.2002