Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.

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Kultur vor Ort

Dienstag, 16. April 2002

Musik

Schönheit und Klang

Die Orgel in der Pfarrkirche St. Marien steht für rheinische Orgelbaukunst

Die Orgel in der Pfarrkirche St. Marien in Rachtig

Von unserem Mitarbeiter Josef Thiesen

ZELTINGEN-RACHTIG. Die Orgel der Pfarrkirche St. Marien ist von rheinischer Orgelbaukunst aus dem 18. Jahrhundert geprägt. Nun soll sie wieder in den Zustand versetzt werden, in dem Orgelmacher Balthasar König sie erschaffen hat.

Die Orgel der St. Marien-Kirche in Rachtig wurde 1739 mit hoher Wahrscheinlichkeit vom damals vor allem in katholischen Kreisen berühmten Orgelmacher Balthasar König erbaut.

Direkte Nachweise für diese Annahme gibt es zwar nicht, aber die Indizien sprechen eine deutliche Sprache. So taucht zum Beispiel in der Werkliste des Orgelmachers der Ortsname "Rachtig an der Mosel" auf. Außerdem arbeitete König viel für Klöster und Orden, und Rachtig wurde damals vom Deutschen Orden seelsorgerisch betreut: Der aus Rachtig stammende Deutschordenspriester Johann Peter Glesius ließ die Orgel nach eigenem Bekunden für 750 Taler machen (Urkunde aus dem Jahre 1760). Durch weitere Stiftungen sorgte Glesius auch für den Unterhalt der Orgel sowie für die Gehälter von Organist und Balgtreter.

Der Orgelbau hat in der Familie König Tradition. Begründer der Werkstatt war Balthasar König (geboren um 1685, gestorben um 1760 in Köln), der 1711 in Münstereifel seine Tätigkeit aufnahm und etwa 1735 seine Werkstatt nach Köln verlegte. Sein ältester Sohn Christian Ludwig (geboren 1711 in Münstereifel, gestorben 1789 in Köln) zog um 1744 nach Lehrjahren in den Niederlanden ebenfalls nach Köln und unterhielt eine eigene Werkstatt, zeitweise zusammen mit seinem Bruder Johann Nikolaus (1729-1775), der später das väterliche Geschäft übernahm.

Da von 1906 an die Rachtiger Kirche abgerissen und beträchtlich größer wieder aufgebaut wurde, doch die alte Orgel dafür wohl zu klein war und nicht mehr der neuesten musikalischen Mode entsprach, wurde das Innere der Orgel von Heinrich Voltmann aus Klausen für 21 Mark abgetragen.

In das Gehäuse, das nach hinten auf die dreifache Tiefe erweitert wurde, baute der Trierer Orgelbauer Nikolaus Franzen 1910 ein neues Orgelwerk mit 17 Registern auf pneumatischen Taschenladen (Abstromprinzip) ein. Diese Orgel wurde 1946 nach Kriegsschäden durch Anton Turk (Klausen) sowie 1959 durch Orgelbauer Elsen (Wittlich) und 1968 durch Paul Kön (Rachtig) repariert und geringfügig umdisponiert.

Weitere Untersuchungen von Dr. Wolfgang Meister und Domorganist Josef Still (Trier, Orgelsachverständiger des Bistums) haben ergeben, dass weitere Reparaturen den schlechten Zustand des Werkes nur wenig verbessern, da das Werk von 1910 grundlegende Mängel in der Konstruktion aufweist. Vor allem die Windversorgung ist besonders im Diskant nicht ausreichend berechnet.

Umfassende Reparaturen sind notwendig

Mit einer umfassenden Reparatur wären wohl die Defekte soweit zu beheben, dass eine Kirchenliedbegleitung ohne große Einschränkungen möglich ist, jedoch wäre das Instrument heutigen künstlerischen und konzertanten Ansprüchen nach wie vor nicht gewachsen. Letzteres wurde besonders deutlich bei einem Konzert des Leipziger Thomanerchores vor zehn Jahren, als der mitgereiste Organist sein Programm auf ein einziges Stück zusammenstreichen musste.

Da die Rachtiger Kirche häufig für Konzerte genutzt wird, fällt der Mangel an einer guten Orgel besonders ins Gewicht. Zudem gibt es im gesamten Moselraum kaum geeignete Instrumente, sieht man von einigen kleineren Orgeln, überwiegend aus dem 19. Jahrhundert, ab. Die Kirchengemeinde Rachtig und der von ihr gegründete Orgelförderverein streben daher eine grundlegende Erneuerung des Instrumentes nach historischen Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert an. In der heutigen Orgel sind noch zwei Pedalregister aus dieser Zeit vorhanden; ebenso die beiden Register im Prospekt, die erstaunlicherweise seit 1919 stumm, das heißt ohne Verbindung zum Rest der Orgel, sind. Jetzt soll die Orgel wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Geplant ist der Einbau von 26 Registern, wobei möglichst viel der vorhandenen Pfeifensubstanz von 1910, vor allem aber die Register aus dem 18. Jahrhundert wiederverwendet werden sollen. Damit möchte man ein Instrument erhalten, das zwar keine reine Stilkopie ist, aber durchaus in der rheinischen Orgeltradition steht und die musikalischen und künstlerischen Vorstellungen eines Balthasar König widerspiegelt.

Einiges ist noch aus der Geschichte der Orgel überliefert: Die ersten hundert Jahre schien sie nichts von ihrer Qualität eingebüßt zu haben, denn in einem Brief des Kirchenvorstandes an den Bischof zu Trier vom 30. Juli 1847 werden die Schönheit und der Klang des Instrumentes hervorgehoben.

Am 12. August 1847 brannte der Helm des Kirchturmes durch Blitzschlag ab. Pastor Lenz schrieb an das Generalvikariat in Trier: "Auch die Orgel hat viel gelitten durch das Herausnehmen der Pfeifen. Denn man hielt die Kirche gänzlich für verloren..." Am 24. November desselben Jahres genehmigte das Generalvikariat einen Reparaturvertrag für die Orgel, den die Pfarrei Rachtig am 17. des Monats mit dem Orgelbauer Joseph Claus zu Graach abgeschlossen hatte. Weitere Aufzeichnungen und Belege fehlen.

© Copyright 2002 Trierischer Volksfreund


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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig
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Datum der letzten Überarbeitung: 17.04.2002