Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.

54492 Zeltingen-Rachtig
 

- Pressestimmen -


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Ausgabe 41 / 2002

Orgel-Förderverein St. Marien Rachtig e.V.

Nachtrag zum Tag des Offenen Denkmals 2002

Der "Tag des offenen Denkmals", der jedes Jahr am 2. Sonntag im September europaweit begangen wird, ist eine besondere Betrachtung wert. Es waren diesmal allein in Rheinland-Pfalz über 370 Objekte zu besichtigen, davon 18 im Landkreis Bernkastel - Wittlich und vier in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues: Kleinich, Monzelfeld, Veldenz und in Zeltingen-Rachtig.

Manch einer fragt sich, ob eine solche Veranstaltung, mitten in den moselländischen Wein- und Straßenfesten, mit Rückschau in die Vergangenheit aus der aktuellen Gegenwart und dem Blick in die Zukunft gerichtet, heute noch passt. Jedenfalls haftet dem Fest zunächst etwas Nostalgisches und Eigenartiges an, bis man sich etwas näher damit beschäftigt und sich förmlich davon begeistert anstecken lässt. Denn das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an den Zeugnissen aus der Vergangenheit ist äußerst groß und beliebt. Der "Tag des offenen Denkmals" ist seit seinem Bestehen ein fester Bestandteil des KULTURSOMMERS Rheinland-Pfalz, der in diesem Jahr unter dem Motto "Reise in die Romantik" stand.

So konnte man auch im Weinort Rachtig, dem traditionsreichen Moseldorf der Deutschherren, einen Querschnitt über die Kulturlandschaft unseres Landes erfahren. Der Ortsteil Rachtig, Gemeinde Zeltingen-Rachtig, der sich an diesem Tag zum ersten Mal beteiligt hat und sich die Organisatoren zum Unterschied anderer Teilnehmer nicht nur auf ein historisches Gebäude oder einen Turm beschränkten, sondern nach der diesjährigen Leitidee "Ein Denkmal steht selten allein" handelten und das ganze Dorf mit einbezogen: Pfarrkirche, Pfarrhof, Deutschherrenhof, Winzerhäuser mit einem Beiprogramm.

Der Tag begann mit einem musikalisch gestalteten Sonntagsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Marien durch Pastor Eugen Ehses. Ein Klarinetten-Quartett der Musikschule des Landkreises Bernkastel-Wittlich unter der Leitung von Ulrich Junk spielte besonders ausgewählte Werke von Joseph Haydn, Jakob Schnürt und Joseph Triebensee. Nach dem Gottesdienst schloss sich eine kleine Eröffnungsfeier zum Tag des offenen Denkmals an. Festliche Choräle erklangen zu Beginn vom Musikzug Deutschherren, bevor der Vorsitzende des Orgel-Fördervereins St. Marien, Egon Kappes, als Veranstalter, die Ehrengäste und Besucher begrüßte, darunter den I. Beigeordneten des Landkreises Bernkastel - Wittlich, Alex Licht MdL, Bürgermeister Ulf Hangert, Ortsbürgermeister Hans-Peter Ehses, Ortsvorsteher Manfred Kappes und die Europa-Abgeordnete Frau Christa Klaß. Die Ehrengäste würdigten in ihren Grußworten die Bedeutung dieses Tages in Europa und Deutschland und lobten die Initiative des Moseldorfes Rachtig. Frau Klaß MdEP eröffnete offiziell diesen Tag und wünschte ein volles Gelingen. Der Musikzug bekräftigte dies mit einem eindrucksvollen Musikstück "Trumpet Voluntary".

Die anschließende Erkundung der Kirche wurde dadurch erleichtert, dass an allen bedeutsamen Punkten Hinweistafeln aufgestellt waren, die in Kurzform die wichtigsten Angaben enthielten, z.B. dass der Turm 1723/1725 mit der ersten Kirche an diesem Platz erbaut wurde, der Helm durch Blitzschlag 1857 abbrannte, wieder aufgebaut und mit 64,5 m zu den höchsten Kirchtürmen an der Mosel gehört, also nicht mit dem baufälligen Kirchenschiff 1906 abgerissen, sondern stehen bleiben konnte. Oder die drei Glocken, eine von 1922 und zwei von 1949, insgesamt drei Tonnen wiegen. Und die Orgel von 1739 mit Nachbesserungen von 1910, die in dieser Form wahrscheinlich zum letzen Mal zu sehen war, in den vergangenen 260 Jahren viel "Leid" und Probleme über sich ergehen lassen musste. Deshalb ist es erfreulich, dass der Orgel- Förderverein St. Marien Rachtig das gesteckte Ziel "Neue Orgel im historischen Gewand" seit 1995 anvisiert und in den nächsten Jahren verwirklichen möchte.

Die Geschichte des Deutschordenshofes ist gleichzeitig seit 1247 die Geschichte von Rachtig. Manfred Schmilz, der jetzige Eigentümer, hatte für diesen Tag alle bedeutsamen Räume des Hofes für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Zehntkeller, Rittersaal, Backstube, Ankleide und Gewölbekeller und informierte in einer eigenen Tonschau über die Geschichte des Hofes in der Gemeinde Zeltingen-Rachtig. Im Gewölbekeller zeigten zwei Klassen der Grundschule ihre gesammelten Erkundungen über die Rachtiger Geschichte in Fotos, Zeichnungen und Texten und gaben dazu Erläuterungen. Rachtig ist, so steht es auch im Band „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bernkastel", reich an alten Privatbauten, sowohl an Fachwerk - und Bruchsteinbauten. Erfreulich war: Acht Rachtiger Winzerbetriebe mit alten Gewölbekellem und früher üblichen Einrichtungen wie eigene Wasserversorgung und Backofen, hatten sich bereit erklärt, ihre Keller und Kelterhäuser für die interessierten Besucher mit einem Begrüßungstrunk freizugeben. So Ernst Jakobs mit kunstvoller Haustüre, Doppelkeller und Madonnenfigur am Haus und Michael Morbach, als direkte Nachbarn des Ordenshofes, mit altem Kellergewölbe und großen Räumen, als typisch gegliederte Merkmale der früheren so genannten "Herrenhäuser" des Ordens, Kurt Jakobs mit Wappen der Küferzunft 1772 und Fensterpaar mit Kleeblattbögen und Verzierungen, Franz Josef Morbach mit einer Pieta von 1620 als Haussegen sowie antiken Einrichtungen im Wohn- und Kellerbereich. Das Haus Franz Thiesen, mit der Jahreszahl 1544 ist sicher das älteste Haus, zeigt im Kellereingang ein kunstvolle in Stein gehauenes Wappen:

Zirkel der Fußbinder, aber auch Beil und Hackmesser der Metzgerzunft mir der Inschrift "Franz Zorn zu Dal", der Hauptwortführer der Trierer Katholiken im Reformationsstreit war.

Ludwig Oster mit ansprechendem Gewölbekeller und Eichenholz Fuderfäsem, - in direkter Nähe das So genannte "Frühaufskreuz" aus 1516, Edmund Becker und Hans Keller beeindruckten mit fast museumsreifen Dokumenten, Bildern und Geräten in ihren Kellerund Kelterhäusem. Beim Rundgang durch die Dorfstraßen kann man immer wieder neue und weitere Spuren der Vergangenheit entdecken.

Ein besonderer Dank gilt den Eigentümern und Winzern, den Helfern und Verantwortlichen, die während des ganzen Tages an verschiedenen Stellen präsent sein mussten und durch ihr Engagement diesen Denkmaltag in dieser offenen Form überhaupt erst ermöglichten.

Der Orgel - Förderverein hatte eigens eine neue Orgelzeitung "Pfiff" verteilt und einen Wegweiser mit Begleitprogramm an die Besucher ausgegeben, in denen ausführliche Informationen über die bewegte Rachtiger Geschichte "von früher bis heute" zu finden sind. Zu erwähnen bleibt noch, dass viele Gäste nach dem denkmalorientierten Rundgang durch Rachtig das Wein- und Straßenfest im Ortsteil Zeltingen besuchten, um sich weiter an lukullischen Genüssen der Mosel, beim Wein und Essen zu stärken und zu erfreuen.

Krönender Abschluss des Tages war das Konzert am Abend in der Marienkirche "Harfenklang und Pfeifentöne" mit der Camarata Cusana, der Harfenistin Silke Aichhorn und Josef Thiesen an der Truhenorgel. Die Leitung hatte Wolfgang Lichter. Die Mitwirkenden erhielten vom Publikum einen lang anhaltenden Beifall für dieses besondere Konzert, das im Rahmen der Internationalen Mosel-Festwochen stattfand.


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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig

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Datum der letzten Überarbeitung: 11.11.2002