Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.

54492 Zeltingen-Rachtig
 

- Pressestimmen -


Es stand in: 



Ausgabe 32 / 2002

Orgelwanderfahrt

,,Meisterwerke des Orgelbaus"


Oft blühen sie im Verborgenen, die klangvollen, sehenswerten, königlichen Instrumente in unseren dörflichen Kirchen. Ein äußerst reizvolles Erlebnis war es, im Rahmen des Musikfestivals "Moselfestwochen" der Kultur & Kur GmbH Bernkastel-Kues, vier herausragende Orgelunikate in ihrer Klangvielfahrt zu hören.

Im kleinen Eifeldorf Wollmerath wurde die wundervoll restaurierte Balthasar-König-Orgel gespielt (erbaut zwischen 1700 und 1750), in Kaifenheim die neue
Kirchenmusiker Josef Thiesen an der großen Stumm - Orgel im Moseldom Karden
Weimbs Orgel (2001 eingeweiht), im "Mosel-Dom" in Karden erklang die prachtvolle Orgel von Johann Michael Stumm (1728) und im Weindorf Klotten wurde eine pneumatische, romantische Orgelrarität (1909) des Orgelbauers Christian Gerhard aus Boppard zum Klingen gebracht.

Das Organistenehepaar Theresia und Josef Thiesen verstand es, durch geschickte Auswahl der dargebotenen Konzertstücke, den individuellen Klang und Charakter der vier Instrumenten den Zuhörern nahezubringen. Dabei wurde die Wechselwirkung zwischen der Akustik des jeweiligen Kirchenraums und dem Wesen der sehr unterschiedlichen Kirchenorgeln zu einem erfreulich vielseitigen, farbigen und perfekten Klangerlebnis. Lang anhaltender und verdienter Applaus war der Dank der Zuhörer an die beiden Kirchenmusiker.

Und hier die musikalische Bewertung:

WoIlmerath:

Die Balthasar König zugeschriebene Orgel beherrscht optisch und akustisch die kleine Wollmerather Kirche. Ähnlich wie die Orgel im Kloster Steinfeld besticht sie durch ihre frische, etwas deftige Intonation, die auch einen größeren Raum zu füllen imstande wäre. Das hervorragend restaurierte Werk überzeugte außerdem durch eine angenehme Spieltraktur, präzise und doch leichtgängig.

Einzig die Spieltischabmessungen ließen zu wünschen übrig, besteht doch für einen groß gewachsenen Organisten ständig die Gefahr, sich am Mittelturm des Prospektes den Kopf zu stoßen. Mit barocken Stücken aus Italien (Frescobaldi, Zipoh), England (Stanley) und Deutschland (Armsdorf, Zachau, Maichelbeck) wurde die Orgel vorgestellt, wobei vor allem die Stücke von Stanley und Zipoh dem Instrument mit seinen 4 Soloregistern im Diskant wie auf den Leib geschneidert waren. Lediglich das Choralvorspiel von Andreas Armsdorf litt etwas unter zwei stummen Pfeifen in der Trompete. Diese Orgel ist auf jeden Fall einen erneuten Besuch wert.

Kaifenheim:

Die mit nur 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal besetzte Weimbs-Orgel in Kaifenheim wirkt von unten her betrachtet auf der riesigen Empore recht klein, kann aber den Zuhörer durch eine überragende Klangfülle erfreuen. Trotz des prächtigen Gesamtklanges wirkt kein einziges Register forciert, laut oder schreiend, die Einzelstimmen sind überaus angenehm intoniert. Sehr präzise fünktioniert die Traktur, die auch bei gekoppelten Manualen noch sehr leichtgängig ist. Das barock besetzte Hauptwerk wurde mit Bachs a-moll-Fuge vorgestellt, trotz fehlender Mixtur fielen die auf dem Schwellwerk gespielten Echostellen klanglich nicht heraus. Besonders auf das 2. Manual zugeschnitten waren Stücke von Lemmens und Karg-Elert, wobei Principal bzw. Hohlflaut des Hauptwerks als voluminöse Solostimmen hervortraten.

Die gesamte klangliche Bandbreite der Orgel kam dann bei der achtsätzigen ,,Militärsonate" ,,The Fourth of July" des englisch-amerikanischen Komponisten James Hewitt zur Geltung; die rasch welchselnden Solo- und Plenum-Registrierungen einschließlich des Zimbelsternes ließen bei Organisten und Zuhörern keine Wünsche offen.

Karden:

Die weithin bekannte Orgel in der Stiftskirche St. Castor, das erste dreimanualige Werk von Johann Michael Stumm, stand als nächstes auf dem Programm. Mit einem gemeinsamen Lied (Was Gott tut, das ist wohigetan), passend zur nachfolgenden Partita von Johann Pachelbel, wurde das Konzert eröffnet. Man merkt der Orgel deutlich an, dass die Restaurierung schon dreißig Jahre her ist und das sie sehr häufig gespielt wird. Die Trakturen der drei Manuale sind sehr unterschiedlich in Spielgefühl und Kraftaufwand, wäs für ein präzise und adäquat artikuliertes Spielen eine lange Vorbereitungszeit erfordert hätte. Das reichhaltig besetzte Werk lässt hingegen klanglich fast keine Wünsche offen, so dass in der kurzen Zeit nur ein Teil der Klangmöglichkeiten vorgestellt werden konnte. Neben der bereits erwähnten zehnteiligen Partita und einer Choralbearbeitung von Johann Gottfried Walther erklangen mit Präludium D-Dur von Dietrich Buxtehude und der Es-Dur-Fuge von Bach zwei Werke, mit denen vor allem die verschiedenen Plenumregistierungen vorgestellt wurden.

Klotten:

Die einzige Orgel des Tages mit pneumatischer Spieltraktur erklang als Letzte. Nach etwas längerer Suche nach dem Orgelschlüssel wurde auch hier mit einem gemeinsamen Lied (Lobe den Herren) begonnen, worauf die dazugehörige Choralbearbeitung von J. G. Walther folgte. Trotz romantischer Disposition und traktur- und intonationsbedingter später Tonansprache konnte das barocke Stück noch ganz gut dargestellt werden, wobei vor allem die alles beherrschende Posaune mit dem Cantus firmus hervortreten konnte. Die vielfältigen Registermischungen und die große dynamische Bandbreite der Orgel kamen bei Werken von Mendelssohn (Präludium G-Dur), Rheinberger (Kopfsatz der 4. Sonate sowie Vision aus op. 156) und Saint-Saens (Der Schwan aus dem Karneval der Tiere) hervorragend zur Geltung. Lediglich der Grand Choeur von Euge'ne Gigout litt etwas unter der sehr zögerlichen Ansprache der beiden Zungenstimmen, die aber von Kraft nur so strotzten und dem Stück einen majestätischen Charakter verleihen konnten.

Die Durchführung der Fahrt lag in den bewährten Händen von Wanderführer Erhard Köper vom Orgelförderverein St. Marien Rachtig, der seit seinem Bestehen schon zahlreiche Musikveranstaltungen geboten hat. Als geeigneten Rahmen für die Freunde der Orgelmusik erwies sich die Anreise durch die grüne Eifel mit ihren Vulkanen und Maaren. Eine lockere Wanderung zur wehrhaften Burg Pyrmont und zur Pyrmonter Mühle mit dem romantischen Elzbachwasserfall erfrischte Körper und Geist der Teilnehmer. Bei der Rückfahrt wurde das Moselland als Burgenland präsentiert, mit überraschend vielen Burgruinen.

In luftiger Höhe, hoch oben auf dem ,,Reiler Hals", mit herrlichem Blick ins Moseltal und auf die schmucke Marienburg, war ein Glas Moselwein der rechte Abschluss dieser gelungenen Orgelwanderfahrt. Über die Orgelwanderung 2002 ,,Meisterwerke des Orgelbaus" liegt ein Live-Mitschnitt mit einer Auswahl aus den vier Konzerten vor. Die CD (70 Min) ist im ,,Sängerheim" und im ,,Dorfladen" in Rachtig gegen eine Spende von 10 Euro zu erwerben. Mit dem Erlös wird das Projekt ,,Orgel Rachtig" unterstützt.


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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig

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Datum der letzten Überarbeitung: 16.01.2002