Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.
54492 Zeltingen-Rachtig

- Die rheinische Orgelbauerfamilie König -

Zusammengestellt von Martin Stein
aus Anlass seines Orgelkonzertes an der
König-Orgel in St. Michael, Hüchelhoven,
im Dezember 1995



Stammvater der Familie ist Balthasar König, der sich 1711 im heutigen Kurort Bad Münstereifel als "Orgelmacher und Organist" niederläßt. Aus dieser frühen Periode stammen einige noch heute erhaltenen Orgeln in der Eifel, so z.B. im Kloster Steinfeld sowie in einigen kleineren Dörfern. 1717, 1726 und 1729 werden seine Söhne Christian Ludwig, Johann Kaspar Joseph und Johann Nikolaus geboren. 1735 verlegt Balthasar König seine Wirkungsstätte nach Köln in die Breite Straße. Hier wird sein ältester Sohn bald sein schärfster Konkurrent, als dieser nach der Lehrzeit in den Niederlanden 1756 seine eigene Werkstatt in der Hohe Straße eröffnet. Christian Ludwig gilt auch als der berühmteste Abkömmling der Familie und hat z.B. die große Orgel der St. Stevenskerk in Nijmwegen gebaut. Der zweite Sohn erhält seine Ausbildung ebenfalls in den Niederlanden, bleibt dort jedoch seßhaft und wohnt in Sittard im Limburger Land. Der jüngste Sohn erhält die Ausbildung vom Vater selbst und übernimmt nach dessen Tod 1757 auch die Werkstatt in der Breite Straße. Durch die enge Nachbarschaft der beiden Brüder in Köln ist es schwierig herauszufinden, wer als der Erbauer der Hüchelhovener Orgel gelten kann. Nach dem Tod Nikolaus Königs 1775 heiratet der Würzburger Johann Georg Arnold die zurückgebliebene König-Witwe und der Betrieb geht damit in familienfremde Hände über, denn Nikolaus Königs Sohn Adolph Daniel ist weniger begabt als seine Vorfahren. Er restauriert lediglich Orgeln während der Franzosenzeit und stellt sie an neuen Bestimmungsorten auf, so auch die Hüchelhovener Orgel 1803.

Verfolgt man den Gang der Kölner Werkstatt weiter, so stellt man als Folgebesitzer Engelbert Maaß und schließlich Franz Wilhelm Sonreck fest. Letzterer gilt als einer bedeutenden rheinischen Orgelbauer des 19. Jahrhunderts. An seinen Orgeln kann man den Einfluß der Familie König bis in diese Zeit feststellen. Christian Ludwig König hat zwei Söhne und da der ältere 1766 im Alter von 22 Jahren stirbt, übernimmt der jüngere Bruder Carl Philip die Werkstatt auf der Hohe Straße.

Die Orgelbautätigkeit der Familie König dauert über 80 Jahre an und erstreckt sich über das gesamte Rheinland bis an die Mosel, sowie über Gelderland, Limburg und Brabant. Von ursprünglich ca. 60 Orgeln sind noch 17 mehr oder weniger erhalten. Die meisten wurden im zweiten Weltkrieg zerstört, darunter zahlreiche bedeutende Instrumente in dem heute an historischen Orgeln leider sehr armen Köln. An den erhaltenen Exemplaren kann man typische Merkmale der Königorgeln ausfindig machen, von denen auch unsere Orgel sehr viele aufweist. Häufig sind es kleine Instrumente, d.h. nur ein- oder zweimanualig. Das Pedal ist oft nur angehängt (d.h. mit weniger Tasten ausgestattet) oder es fehlt ganz (wie es bei der Hüchelhovener Orgel ursprünglich der Fall war). Ein weiteres Charakteristikum stellt die häufig anzutreffende Schleifenteilung dar, d.h. die Teilung des Manuals in zwei Hälften, so daß auch auf einem Manual mit unterschiedlichen Klangfarben gespielt werden kann. Die Königorgeln haben einen dunklen, vollen aber niemals matten Grundklang, der mit vielen klaren und helleren Registern gemischt werden kann. Aber auch farbige Register wie die meist kräftig intonierte Trompete sind stets vorhanden. Durch ihre zahlreichen Werke entwickelte die Familie König den Typus der rheinischen Barockorgel. Die besten noch erhaltenen Exemplare sind heute in folgenden Kirchen zu finden:

 

St. Nikolaus, Brauweiler
St. Maximilian, Düsseldorf
St. Philipi und Jacobi, Schleiden
Kloster Steinfeld (Eifel)
St. Michael, Hüchelhoven
St. Leodegar, Niederehe (Eifel)
        TV-Bericht: "Restauriertes Kleinod in Niederehe"
Pfarrkirche Aremberg (Eifel, nahe Blankenheim)
St. Maria Magdalena, Wollmerath (Eifel, nahe Daun)
Pfarrkiche Beilstein (Mosel, nahe Cochem)
Wallonische Kirche Arnheim (Niederlande)
Basilika der Heiligen Agatha und Barbara, Oudenbosch (Niederlande)
Wallonische Kirche Breda (Niederlande)


siehe in der Seite "Andere König-Orgeln"
die oben grün markierten Einträge können dort "angeklickt" werden.


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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig
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Datum der letzten Überarbeitung: 03.04.2000