Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.

54492 Zeltingen-Rachtig

 



 
 
 
 

 

...es stand im "Nachrichtenblatt des Vereins Alter Münstereifeler, 73. Jahrgang, Nummer 2, 1998 (Feb. 1999): 

Nachrichten von König-Orgeln in der Eifel
Von Axel Wilberg (A 1996)


Der Münstereifeler Orgelbauer Balthasar König (*c1685, t 1756 in Menden)1 ist ebenso wie sein Sohn Christian Ludwig (*1717 in Münstereifel, t 1789 in Köln) spätestens seit der ersten Renovierung der Orgel der Schloßkirche Schleiden in den Jahren 1955/562 zum Synonym für rheinischen Orgelbau im 18. Jahrhundert geworden und bedarf wohl keiner weiteren Vorstellung. So bedauerlich es ist, daß die Gedenktafel von Königs ehemaligem Wohnhaus in der Orchheimerstraße kürzlich verschwunden ist, muß es doch als sehr erfreulich bezeichnet werden, daß in den letzten Jahren einige kleinere Instrumente des Meisters renoviert werden konnten, die von seinem handwerklichen Geschick und seinem sensiblen Klangempfinden zeugen.

Geradezu eine Entdeckung war es, als 1985 eine völlig unspielbare alte Orgel in der St. Nikolaus-Kirche zu Aremberg durch die Sachverständigen des Denkmalamtes und des Bistums Trier als Werk der Familie König identifiziert werden konnte. 3.Trotz des völlig desolaten Zustandes wies die Orgel einen hohen Prozentsatz an originaler Substanz auf. Im Pfeifenwerk fehlten lediglich Teile der Mixtur und der Sesquialtera, ein zweifach besetztes Register (Carillon oder Tintinabulum), die beiden Zungenstimmen und die Prospektpfeifen des Prinzipals. An Stelle eines Zungenregisters befand sich eine Holzflöte 8', die mit der Signatur ,,renoviert Juli1902 Joh. Müller, Bonn" versehen war. 4 Der Spieltisch und das elektrische Gebläse waren ebenfalls Zutaten aus dem 19. Jahrhundert bzw. um 1970.~ Die Herkunft der Orgel kann nicht sicher geklärt werden, doch es wird angenommen, daß das Instrument im Zuge der Säkularisation aus dem Kloster Marienthal zusammen mit anderen Ausstattungsstücken der Kirche nach Aremberg kam. 6 Dafür spricht die einheitliche Gestaltung der Schnitzereien an den Altären und dem Orgelprospekt. Die Rückseite des Gehäuses trug beim Abbau der Orgel Reste einer Zierschrift7, was nahelegt, daß die Orgel ursprünglich von allen Seiten sichtbar und zugänglich war, wie es bei der Chororgel eines Konvents der Fall wäre.

Nicht sicher ist außerdem, welches Mitglied der Familie König die Orgel errichtete. Die Pfeifensignaturen stimmen mit denjenigen Balthasar Königs überein, die Kanzellenmaße weisen eher auf seinen Sohn Christian Ludwig hin.8 Das Erbauungsdatum dürfte zwischen 1750 und 1760 liegen. 1987 bis 1989 wurde das Werk von der Firma Weimbs (Hellenthal) restauriert und weist nun folgende Disposition auf:

Manual (C.D-c3): Prinzipal 8', Hollpfeif 8', Gamba 8', Flaut travers 8' D, Octav 4', Flaut dous 4', Octav 2', Mixtur 3f., Sesquialter 2f., Cornett 4f. D, Tintinabulum 2f., Trompette 8', Vox humana 8',

Pedal (C-cO): angehängt

Die Stimmung liegt bei a = 463 Hz, Temperatur nach Kimberger II.

Schon seit längerem als Werk Königs bekannt ist die Orgel der Pfarrkirche St. Leodegar in Niederehe, die im Jahre 1715 von B. König aufgestellt wurde.10 Das Instrument ist im 19. Jahr-hundert überarbeitet und dem Zeitgeschmack entsprechend umgebaut worden. Da das aus Weichholz gefertigte Gehäuse stark von Holzwurm zerfressen war, führte die Firma Weimbs 1984 eine Holzwurmbehandlung durch11, um weitere Schäden
zu vermeiden. Eine umfassende Restaurierung und Rekonstruktion der nicht erhaltenen Teile führte die Werkstatt Hubert Fasen aus Oberbettingen 1997/98 durch. Von König sind neben großen Teilen der technischen Anlage mindestens drei vollständige Register erhalten, die allerdings durch unsachgemäße Änderung der Stimmtonhöhe stark beschädigt sind. 12 1868 verwandelte der Orgelbauer J. J. Müller aus Rehlingen das bis dahin angehängte Pedal in ein kleines Freipedal mit drei Regi-stern.

Die Orgel befindet sich auf der Empore der ehemaligen Klosterkirche in einem Gehäuse, daß durch seine schlichte Strenge beeindruckt. Die hinzugefügten Pedalregister stehen in einem Halbgehäuse an der Kirchenückwand. Zwischen den beiden Gehäusen befindet sich die rekonstruierte Balganlage mit zwei Keilbälgen, die wahlweise aus einem elektrischen Gebläse ge-speist oder auch von Hand bedient werden können.

Als Besonderheit darf das prinzipalische Register Portun gel-ten, das aus dem süddeutschen Raum stammt. Von König, der aus einer Orgelbauerfamile in Ingolstadt stammte, ist dieses Register nur in Niederehe überliefert.

Die in Zusammenarbeit mit der zuständigen Denkmalbehörde rekonstruierte Disposition lautet:

Manual (C-c3): Principal 4' (C-gl im Pmspekt), Portun 8' (of-fen, C-hO Holz, ab cl Metall), Copel 8' (ged., C-dsl Holz),

3
 Cornett 3f. (ab cl), Solcena 2f. (= Sesquialter), Fleute dous 4' (ged.), Superoctav 2; Mixtur 4f. 1', Trompete 8' B/D

Pedal (C-cO): Subbaß 16' (Holz), Octavbaß 8' (Holz), Trompet 8', Pedalkoppel Kanaltremulant. Die kursiv gedruckten Regi-ster sind komplett erhalten.

Stimmtonhöhe ist a = 421 Hz, Temperatur mitteltönig mit Wolf auf gs-es (nach Untersuchungen an den originalen Pfeifen rekonstruiert).

Im August konnte die Orgel auf der Jahrestagung der Gesellschaft der Orgelfreunde vorgestellt werden. Gleichzeitig erschien eine CD mit Josef P. Eich an der Orgel, eine weitere Aufnahme mit Josef Still ist in Vorbereitung.

1 Alle Daten nach MUG und G. Vedder, in: ,,Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte Heft 95" (1970)
2 F.-J. Vogt, Die Orgel der Schloßkirche zu Schleiden (1993)
3 Aktenvermerk von Prof. Dr. Riedel, Archiv Fa. Weimbs
4 Fotos im Archiv Fa. Weimbs. Der Orgelbauer Müller ist nur kurze Zeit mit einigen Reparaturen und Wartungsarbeiten in Erscheinung getreten. 
5 freundl. Mitteilung Orgelbaumeister (OBM) F. Weimbs
6 für die übrige Kirchenausstattung belegt in ,,Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler" (1938)
7 Foto im Archiv Fa. Weimbs
6 Mitteilung W. Meister im Archiv Fa. Weimbs
9 eigene Aufnahme
10 F.-J. Vogt, in: ,,Die Orgel als sakrales Kunstwerk Bd. 1" (1992)
11 freundliche Mitteilung OBM Weimbs
12 freundliche Mitteilung OBM R. Fasen, eigene Besichtigung
 


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Diese Seite hat erstellt: Hans-Heiko Stein, Deutschherrenstr. 49, 54492 Zeltingen-Rachtig

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Datum der letzten Überarbeitung: 04.04.2000